Sunday, July 16, 2006

Umsonst, kostenlos oder Mehrwert? [d]

Onlineprojekte verursachen Kosten und benötigen Ressourcen, naturgemäß steigend mit ihrem Umfang und ihrer Komplexität. Dabei sind tatsächlich anfallende Rechnungen für Servermiete etc. gegenüber der Zeit und der Arbeit, die in den meisten Fällen investiert wird, praktisch vernachlässigbar.

Das Dilemma von 'semi-profesionellen' Initiativen - also solchen, die nicht von Anfang an als kommerzielle Produkte geplant und aufgezogen sind - ist oft, dass die Nutzer oft nicht ohne weiteres bereit sind, für die angebotenen Dienste zu bezahlen. Oft wird 'im Internet' mit 'kostenlos' gleichgesetzt, und nicht selten existieren tatsächlich kostenlose Alternativen. Unter anderem sah (und sieht) sich Spreeblick, das vielleicht populärste deutschsprachige Weblog, mit diesem Dilemma konfrontiert.

Ähnliches gilt für Pardus; wie viel Zeit und Arbeit in dem Projekt steckt, kann man nur ahnen. Die Serverkosten belaufen sich auf 777€ pro Jahr. Letztere konnten zuletzt durch Spenden von Spielern beglichen werden; bemerkenswerter weise ohne, dass zu Spenden aufgerufen worden war. Im Gegenteil haben Spieler immer wieder finanzielle Unterstützung angeboten, so dass sich die Entwickler 'genötigt' sahen, Spenden zu ermöglichen.

Aber wie geht es weiter mit Pardus? Zweifellos ist es kein Projekt, dass für immer von Studenten in deren Freizeit betreut werden kann. In einem Interview war zu lesen, dass langfristig die Einführung von Premium-Accounts geplant ist, welche für eine monatliche Gebühr Zusatzfunktionen ermöglichen.

Prinzipiell stellen sich zwei Fragen: Was soll finanziert werden und wie soll das geschehen?

Langfristig scheint es illusorisch zu sein, dass nur die technischen Kosten von den Spielern getragen werden. Menschen, die ihre Zeit eine Arbeit stecken, wollen davon leben können. Das muss nicht heißen, dass die Pardus-Community einige komplette Brutto-Einkommen generieren muss; Pardus kann durchaus eine von mehreren Möglichkeiten sein, um Brötchen zu verdienen. Wie viel von der investierten Mühe also tatsächlich in bare Münze umgewandelt werden kann oder muss, bleibt eine Frage der (vorsichtigen) Abwägung.

Was die Art der Finanzierung angeht, gibt es im wesentlichen drei Alternativen: Nahe liegend und weit verbreitet ist Onlinewerbung. Eine zeitlang gab auf der Pardus-Startseite ein paar kleine Google-Adds, die aber aus verschiedenen Gründen wieder entfernt wurden. Im Spiel selbst ist keinerlei Werbung zu finden. Und das ist auch gut so.

Die zweite Option sind die (bereits geplanten?) Abofunktionen. Das Problem dabei ist die Frage, ob es die Spieler als fair empfinden, wenn entweder zahlende Spieler über Features verfügen, die ihnen eine wesentlichen Vorteil verschaffen ('Wer nicht zahlt, ist am A....') oder aber die kostenpflichtigen Premium-Accounts keine echten Vorteile bieten und die Zusatzfunktionen quasi nur optische, funktionale oder rollenspielerische Gimmicks darstellen ('Wofür soll ich da zahlen?!')

Eine dritte (und eine halbe) Möglichkeit ist die Finanzierung über Spenden, welche durch den Vertrieb von Merchandising (Pardus-Shirts, Pardus-Tassen, Pardus-Schiffsmodelle für die Vitrine, ...) ergänzt werden könnte. Zweifellos wäre dies für alle beteiligten die angenehmste Alternative: Wer zahlen will kann, wer nicht will, muss nicht - und die Entwickler müssen sich keinen Kopf machen, wie sie die Spieler am wenigsten verschrecken. Das Problem ist allerdings das Risiko: Wer garantiert, dass sich genug Spender finden? Auch ist eine solche Finanzierung in keiner Weise planbar; man möchte nicht ausschließlich auf derartig ungewisse Einkünfte angewiesen sein.

Natürlich schließen diese Alternativen einander nicht aus. Onlinewerbung kann in gewissem Rahmen durchaus nützlich und unproblematisch sein, etwa in Form von Links im Amazon-Partner-Programm. Wer sowieso bei Amazon einkauft, kann das auch über einen Pardus-Link tun und ein paar Prozente für das Spiel abgeben lassen. Und Spieler, die zu Spenden bereit sind, werden wohl auch für einen Premiumacount zahlen - wenn man das Geld eh geben wollte, warum nicht auch etwas dafür bekommen?

Ein unabhängiges Projekt auf eine finanzielle Basis zu stellen, ist so oder so ein schwieriges Unterfangen, das in erster Linie Fingerspitzengefühl erfordert. Bei jeder Form der Finanzierung wird es Unzufriedene geben, die das Spiel verlassen - doch die Aussicht, dass eine gelungene Form der Finanzierung langfristig das Spielvergnügen für alle sichert, wird wohl bei den meisten Spielern eher auf Verständnis stoßen.

1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Gerade die guten Erfahrungen mit den Spenden sprechen ja für die dritte Variante.

09:38  

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